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Vollstreckung

Vollstreckung deutscher Urteile in Spanien: EU-Vollstreckungstitel und Brüssel-I-Verordnung

Silvia Santaulària Bachmann22. Februar 20269 min Lesedauer
Vollstreckung deutscher Urteile in Spanien: EU-Vollstreckungstitel und Brüssel-I-Verordnung

Deutsches Urteil in Spanien vollstrecken – So geht's

Sie haben in Deutschland ein Urteil gegen einen Schuldner erwirkt, der Vermögen in Spanien hat? Die Europäische Union hat die grenzüberschreitende Vollstreckung deutlich vereinfacht. Als deutschsprachige Abogada erkläre ich Ihnen die drei wichtigsten Wege.

Weg 1: EU-Vollstreckungstitel (EuVTVO – Verordnung Nr. 805/2004)

Was ist der EuVTVO?

Der Europäische Vollstreckungstitel ermöglicht die direkte Vollstreckung ohne Zwischenverfahren in Spanien – die schnellste Methode.

Voraussetzungen

  • Unbestrittene Forderung: Der Schuldner hat die Forderung nicht bestritten
  • Bescheinigung durch das deutsche Gericht (Formblatt Anhang I)
  • Zustellung an den Schuldner nach den Mindestvorschriften der EuVTVO

Verfahren in Spanien

  1. Beglaubigte Übersetzung ins Spanische
  2. Antrag beim zuständigen Juzgado de Primera Instancia (Palma, Ibiza, Mahón oder Barcelona)
  3. Direkte Vollstreckung ohne Exequatur

Vorteile

  • Kein Exequaturverfahren nötig
  • Schnellste Methode (wenige Wochen)
  • Geringe Kosten

Weg 2: Brüssel-I-Verordnung (Verordnung Nr. 1215/2012)

Anwendungsbereich

Die Brüssel-Ia-Verordnung (Neufassung 2012) gilt für alle Zivilurteile innerhalb der EU.

Verfahren

  1. Bescheinigung nach Art. 53 der Verordnung vom deutschen Gericht
  2. Vorlage beim spanischen Juzgado de Primera Instancia
  3. Keine gesonderte Anerkennung mehr erforderlich (seit 2015)
  4. Direkte Vollstreckung möglich

Versagungsgründe (Art. 45 Brüssel-Ia-VO)

Der Schuldner kann die Vollstreckung nur in engen Ausnahmefällen anfechten:

  • Verstoß gegen den ordre public
  • Mangelnde Zustellung im Ursprungsverfahren
  • Unvereinbare Entscheidungen

Weg 3: Europäisches Mahnverfahren (EuMahnVO – Verordnung Nr. 1896/2006)

Für grenzüberschreitende Geldforderungen

  • Antrag auf Europäischen Zahlungsbefehl beim deutschen Gericht
  • Bei Nichteinspruch: Direkt vollstreckbar in Spanien
  • Kein Exequatur erforderlich

Verfahren

  1. Antrag mittels Formblatt A
  2. Gericht erlässt Zahlungsbefehl (Formblatt E)
  3. 30-Tage-Frist für Einspruch
  4. Vollstreckung in Spanien durch Vorlage beim Juzgado

Vollstreckungsmaßnahmen in Spanien

Nach Anerkennung des Titels können folgende Maßnahmen beantragt werden:

Kontenpfändung (Embargo de cuentas bancarias)

  • Anfrage beim Punto Neutro Judicial – zentrales Kontenauffindungssystem
  • Pfändung aller Konten des Schuldners in Spanien

Immobilienpfändung (Embargo de bienes inmuebles)

  • Eintragung im Registro de la Propiedad (Grundbuch)
  • Zwangsversteigerung (Subasta judicial)

Lohnpfändung (Embargo de salarios)

  • Pfändungsgrenzen: Existenzminimum (SMI) unpfändbar
  • Staffelung nach Einkommenshöhe

Fahrzeugpfändung (Embargo de vehículos)

  • Eintragung bei der DGT (Dirección General de Tráfico)

Kosten und Zeitrahmen

| Verfahren | Dauer | Kosten ca. | |---|---|---| | EuVTVO | 2–6 Wochen | Ab 1.500 € | | Brüssel-I | 4–8 Wochen | Ab 2.000 € | | EuMahnVO | 3–6 Monate | Ab 1.000 € |

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Über die Autorin

Silvia Santaulària Bachmann

Anwältin (Abogada Colegiada nº 6193 – ICAIB)

Spezialisiert auf Betrug, Strafrecht, Forderungseinzug und Erbrecht für Deutsche

Mallorca, Ibiza, Barcelona
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